HANDLUNG
                           
BOCCACCIO ist eine komische Oper bzw. Operette in drei Akten von Franz von Suppé. Das Libretto schrieben Camillo Walzel alias Friedrich Zell und Richard Genée. Das Werk wurde am 1. Februar 1879 am Carltheater in Wien uraufgeführt und gilt als das erfolgreichste Bühnenwerk des Komponisten. Es handelt von Giovanni Boccaccio, dem berühmten Dichter des Decamerone, der hier selbst Held einer Liebesgeschichte wird.

Der Musik gelingt es, den komödiantischen Übermut des Textes brillant umzusetzen. Sie ist voller Einfälle, glänzend orchestriert und sehr eingängig. Der Abstand zwischen Operette und komischer Oper ist an vielen Stellen aufgehoben.

Musikalische Höhepunkte sind:

  • die Ouverture
  • die Duell-Musik voller Witz und Esprit,
  • Wonnevolle Kunde (Walzerlied – Terzett),
  • Fiamettas Arie Hab ich nur deine Liebe, die Treue brauch ich nicht und
  • das Duett zwischen Fiametta und Boccaccio Mia bella Fiorentina / Florenz hat schöne Frauen

DIE  HANDLUNG:

Erster Akt 


Ausgelassen feiert das Volk von
Florenz das Fest des Schutzpatrons der Stadt auf den Straßen und Plätzen. Vor der Kirche Santa Maria Novella preist ein Buchhändler die neuesten Novellen Giovanni Boccaccios an, die das lockere Leben der Florentiner Frauen zum Gegenstand haben.
Über diese Schriften sind die Ehemänner sehr erbost, glauben sie doch fest an die Treue ihrer Gattinnen. Sie warten nur auf die Gelegenheit, des Dichters habhaft zu werden, um ihn verprügeln zu können.

Drei ehrbare Bürger, der Fassbinder Lotteringhi, der Gewürzkrämer Lambertuccio und der Barbier Scalza sind die Wortführer.
Letzterer ist gerade von einer Reise in seine Heimatstadt zurückgekehrt, sehr zur Überraschung seiner Frau Beatrice, die ihn noch in der Fremde wähnte.

Die hat gerade den Studenten Leonetto  zu einem Stelldichein bei sich. Jenem hat sich dessen Freund Boccaccio angeschlossen. Beatrice gaukelt nun ihrem vorzeitig heimgekehrten Mann vor, zwei streitende Studenten hätten sich gewaltsam Einlass in ihr Haus verschafft.
Um Beatrices Bericht glaubhaft erscheinen zu lassen, kämpfen die „Eindringlinge“ zum Schein mit ihren Degen und beschimpfen sich wüst. Scalza fürchtet, in den Streit hineingezogen zu werden, und ergreift die Flucht.

Boccaccio ist in Fiametta, die Pflegetochter Peronellas und Lambertuccios, verliebt. Die Schöne erwidert seine Liebe, ohne zu wissen, dass er der berühmte Dichter ist. Er macht sich auf die Suche nach ihr.

Unterwegs trifft er auf Pietro, einen Prinzen aus Palermo. Der Herzog von Toscana  soll Pietro nämlich seine außereheliche Tochter, die auch in Florenz lebt, zur Frau geben, weshalb jener vom Vater, dem Herzog von Palermo, zur Brautwerbung dorthin entsandt wurde. Als nun Pietro erkennt, dass der junge Mann der von ihm so hoch geschätzte Dichter Boccaccio ist, schließt er sich ihm und dessen Freunden an.

Die Ehemänner von Florenz glauben, in dem Prinzen den ihnen verhassten Dichter erkannt zu haben, und verabreichen ihm eine Tracht Prügel. Als sie merken, dass sie sich geirrt haben, machen sie ihrem Ärger Luft, indem sie sich auf den Buchhändlerkarren stürzen und ihn umkippen.
Einem herumstehenden Bettler befehlen sie, die Schriften anzuzünden. Der Bettler ist aber kein anderer als Boccaccio selbst in Verkleidung. Notgedrungen muss er seine eigenen Werke in Flammen setzen.

Zweiter Akt 

Boccaccio hat einen Plan ersonnen. Gemeinsam mit Pietro, der sich in Isabella, die schöne Gattin des Fassbinders verliebt hat, und Leonetto, der dazu ausersehen wurde Fiamettas Mutter Peronella abzulenken, gelangen die Drei verkleidet in das Haus der Angebeteten. Leonetto hat vorsichtshalber eine Teufelsmaske mitgebracht, um den krankhaft abergläubigen Lambertuccio im Notfall in Schach zu halten.

Pietro nutzt die Gunst der Stunde, solange der Hausherr in der Schänke zecht. Als Lotteringhi unerwartet nach Hause kommt, versteckt sich der Prinz in einem Fass. Trotzdem wird er sofort vom Ankommenden gefunden. Isabella ist jedoch um keine Ausrede verlegen; sie behauptet einfach, der Fremde sei ein Kunde und wolle die Qualität des Fasses genau prüfen . . .

Der als Bauernbursche verkleidete Boccaccio behauptet, von Lambertuccios Pächter zur Ernte geschickt worden zu sein. Dabei macht er dem Abergläubigen weis, der Baum vor seinem Hause  sei verhext. Von jenem aus sähe man einander küssende Pärchen .
So kommt es, dass Lambertuccio seine Nachbarin Isabella mit dem Prinzen, seine Pflegetochter mit Boccaccio und – zu seinem großen Erstaunen – seine eigene Frau mit Leonetto in heftiger Umarmung  sieht.

Plötzlich taucht Scalza auf und bereitet Boccaccios Schwindel ein jähes Ende. Er berichtet Lambertuccio , der von ihnen so verhaßte Dichter befände sich verkleidet in seinem Haus.

Auf der Suche  nach Boccaccio fällt den Bürgern von Florenz  erneut ein Unschuldiger in die Hände: ein Gesandter des Herzogs, der dessen Tochter Fiametta abholen soll. Leonetto gibt Boccaccio rasch die Teufelsmaske, und im Tumult seines Höllenauftritts können die drei Liebhaber ungeschoren entfliehen.

Dritter Akt 

Am Hof des Herzogs von Toscana finden die Festlichkeiten zur Verlobung Fiamettas mit dem Prinzen Pietro statt. Dieser hat seinen Freund Boccaccio dazu eingeladen. Auch der Herzog selbst ist ein Bewunderer  dessen Werke. In einem Gespräch gesteht er dem Dichter, dass Fiametta die Frucht einer verbotenen Liebe ist. Nichts von deren Gefühlen füreinander ahnend, überredet er Boccaccio, noch länger den Feierlichkeiten beizuwohnen.

Lambertuccio und Peronella sind zum Herzog gerufen, um dessen Dank für die fürsogliche Erziehung Fiamettas entgegenzunehmen. Vom Majordomus erfahren sie, dass der Abgesandte, welcher ihre Tochter abholte, kein geringerer als der Herzog selbst war.

Fiametta erfährt von der Anwesenheit Boccaccios am Hof und erkennt in ihm den von ihr geliebten Studenten. Die beiden gestehen einander  erneut ihre Liebe.


Scalza und Lotteringhi sind, mit  ihren Frauen im Gefolge an den Hof gekommen um  den Herzog zu ersuchen, Boccaccio des Landes zu verweisen. Sie lassen aber davon ab, als sie erfahren, dass der Dichter des Herzogs volle Gunst genießt. Nun treffen auch Pietro und Isabella einander wieder. Der Prinz überredet sie, ihm mit ihrem Mann nach Palermo zu folgen. Jener avanciert dort zum herzöglichen Faßdauben – und Reifeninspektor, und damit steht ihrer Romanze nichts mehr im Wege.

Fiametta  gesteht ihrem Vater ihre Liebe zu Boccaccio. Der Herzog, der in seiner Weisheit längst erkannt hat, dass der Prinz nicht der Mann ist, seine Tochter glücklich zu machen, willigt in die Verbindung der Liebenden ein.

Und so siegt Boccaccio nicht nur über die Engstirnigkeit der Bürger von Florenz, sondern gewinnt auch die Liebe seines Lebens, Fiametta.

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